Läänemaa

Matsalu ist der beliebteste Ort der Naturfreunde. Der dortige Vogelturm Haeska wird für den besten unter den gleichartigen in Nordeuropa gehalten. Die Küstenwiesen und die seichte Bucht um den Turm sind besonders im Frühling einer der beliebtesten Aufenthaltsorte der Zugvögel – im Mai kann man hier tausende Weißwangengänse und Gänse beim Fressen sehen.

Puise, Kiideva und Haeska sind traditionelle Fischerdörfer, von wo die Fischer auch heute morgens auf das Meer zum Fischen gehen.

Der Favorit der Kulturtouristen ist sicherlich die archaische Maria-Magdalena-Kirche in Ridala mit ihren Wandgemälden und den im Kirchgarten befindlichen trapezförmigen Grabzeichen. Eine eigenartige Architektur haben die Ruinen des Schlosses Ungru, die mit dem daneben liegenden sowjetischen Armeeflugplatz in Kontrast stehen.

Noarootsi

Die Perle von Noarootsi sind die hiesige Natur und vier staatliche Schutzgebiete: Die Landschaftsschutzgebiete Nõva und Osmussaar und die Naturschutzgebiete Silma und Leidissoo.

Noarootsi – das sind Sanddünen am Meer, Kiefernwälder und Sumpfgebiete zwischen Dünenwällen; das sind Küstenröhricht und schöne Strände mit singendem Sand. Auf den Dorfschildern stehen solche Wortpaare wie Pürksi / Birkas oder Saare / Lyckholm und auch unter den estnischsprachigen Ortsnamen kann man Wörter finden, die aus dem alten küstenschwedischen Dialekt stammen und einen Hafenort, eine Landzunge oder eine verlandende Bucht bedeuten. Noarootsi – das ist das Land der Seefahrer.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war Noarootsi von Estlandschweden besiedelt, die im 13. Jahrhundert hauptsächlich über Finnland in das estnische Küstengebiet und auf die Inseln ankamen. Im Gegensatz zu estnischen Bauern lebten die Küstenschweden nach dem sog. schwedischen Recht, das ihnen Freiheit und Privilegien sicherte.

Nõva

Nõva – das bedeutet weite Sumpfgebiete, mehrere kleine Seen und große Waldbestände, die reich an Beeren und Pilzen sind. Die hiesige mehrere Kilometer lange Küste mit singendem Sand stellt einen der besten Badestrände Estlands dar.

Das Landschaftsschutzgebiet Nõva, das Landschaftsschutzgebiet des Sumpfes Läänemaa Suursoo und das Naturschutzgebiet Leidissoo mit seinen großen Dünenkiefernwäldern, Sümpfen und Mooren sind ein Lebensraum für viele wilde Tiere: Luchse, Wölfe, Elche und Bären. Der Stolz der hiesigen Vogelwelt sind Kraniche, Schwäne, Birkhähne, Auerhähne und Adler. In der Wanderperiode der Vögel ziehen hier tausende arktische Wasservögel durch. Im eisfreien Meer überwintern Eisenten, Schellenten und Schwäne. Das Meer bei Nõva ist ein Schollenmeer.

Die Nordwestküste Estlands, darunter Nõva, ist ein besonderer Ort sowohl in Estland als auch Europa – dies ist ein Land, das sich nach der letzten Eiszeit 110 m erhoben hat.

Die Flüsse mit wandernden Mündungen auf dem Sand bei Nõva haben malerische, teils durch die Dünen gegrabene canyonartige Betten. Die Olai-Kirche in Nõva ist eine der kleinsten Holzkirchen in Estland.

Lääne-Nigula

Die Gemeinde Lääne-Nigula kann stolz auf ihre höchsten Erhebungen des Landkreises sein. Der in Palivere befindliche Berg Pikajalamägi (51 m) bezeichnet die Küstenlinie vor ca. 11.000 Jahren. Die hiesigen Hänge sind die besten Skiberge des Landkreises, auf denen ganzjährig Tätigkeiten möglich sind. Der in der Nähe fließende Fluss Taebla hat ein schönes Urstromtal in die Sanddünen gespült. Die in der Nachbarschaft liegende Wiese Kuliste mit ihrer Gesangseiche und ihrer Sängertreppe war bereits zur Zeit der Ersten Republik ein beliebter Platz für Johannisfeuer.

In der Gemeinde Lääne-Nigula liegt das Landschaftsschutzgebiet Salajõe – ein Karstgebiet, wo der in die Karsttrichter verschwindende Fluss in einer Entfernung von 600 m als aufsteigende Quelle Tiberna herausfließt.

An archäologischen Denkmälern befinden hier das Grab des polnischen Königs im Dorf Vedra, der Burgberg Keedika im Dorf Keedika, die Steinsetzung Iiatsi im Dorf Vedra, 100 m nördlich vom Männiku-Hof und die Steinsetzungen Uugla.

Die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirche in Lääne-Nigula bezeichnet ein wichtiges Kirchspielzentrum. In der Kirche gibt es Kopien von großen Werken von Leonardo da Vinci. Die Gebiete von Taebla durchquerte eine wesentliche Landstraße des nördlichen Teils des Landkreises Lääne, die von Keila über Keedika und Uugla in Richtung Ridala verlief, von wo sie sich wiederum nach Haapsalu wendete. Im Dorf Koela an der Straße ist das 1987 gegründete Bauernhofmuseum untergebracht.

1917 kaufte der Künstler Ants Laikmaa im Dorf Kadarpiku die Hälfte des Bauernhofs Tammiku, in dem er in den 1920er Jahren begann, sein Zuhause einzurichten. 1932 schloss er die Atelierschule in Tallinn und zog nach Taebla, wo ein in Estland einzigartiges wirkliches Künstlerhaus im nationalromantischen Stil fertig gestellt wurde. Jedoch wurde das Haus nicht ganz fertig – am 19. November 1942 starb Laikmaa. Er wurde im von ihm selbst begründeten Park von 7 ha nahe des Hauses begraben. Im Park gibt es mehr als 250 Pflanzen- und Baumarten und neun vom Künstler selbst gepflanzte, mit Namen versehene Eichen, die Marie Under, Friedebert Tuglas u.a. gewidmet sind. Im Haus des Künstlers ist jetzt das Hausmuseum als Filiale des Museums des Landkreises Lääne untergebracht.

Derjenige, der durch das Dorf Võntküla in Richtung Haapsalu fährt, kann an der Straße auf einem Pfosten ein Storchennest bemerken. Nach der hiesigen Tradition sollte ein Brautpaar ein Hochzeitsband am Pfosten anbinden, um den Nachwuchs zu sichern. Je stärker der Bräutigam, desto höher wurde das Band gebunden.

Kullamaa

Die Burg Kullamaa wurde 1236 erstmalig erwähnt, als die Streitkräfte des Ordens 1234 die von Johannes de Lode, dem stellvertretenden Bischof von Ösel-Wiek an Stelle der altertümlichen Burg Kullamaa (Rohumägi) gegründete Feudalburg (Castrum Goldenbeke) eroberten.

Am Anfang des 14. Jahrhunderts errichtete die Familie Lode in Koluvere (vermutlich an derselben Stelle) eine große Turmburg mit viereckigem Grundriss. Die heutige Form des Schlosses und des Gutshofs Koluvere stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Das Schloss gehörte durch die Zeiten hindurch dem Bistum Ösel-Wiek, dem schwedischen Generalleutnant Fr. von Loewen, dem Favorit der russischen Kaiserin Katharina II. – Grigori Orlow und dem Feldmarschall Fr. W. von Buxhoevden.

Die Johanneskirche in Kullamaa wurde wahrscheinlich am Ende des 13. Jahrhunderts in der ursprünglichen Form fertig gestellt. Im Kirchgarten Kullamaa ist Estlands ältestes Radkreuz von 1621 von Interesse. Auf dem Kreuz steht geschrieben “Sitta Kodt MatZ”. Der Legende nach sammelte Mats Kot von Pferden, düngte mit diesem das Feld, baute kräftigen Roggen an und wurde zu einem reichen Mann. Es wird ebenso vermutet, dass die Schrift im küstenschwedischen Dialekt ist und bedeutet: „Hier ruht in Gottes Frieden Mats.“

In der Kirche und auf dem Friedhof von Kullamaa sind mehrere bekannte und berühmte Leute begraben, darunter Auguste Karoline, Prinzessin von Württemberg, Bibelübersetzer und Literat Heinrich Göseken, Künstler Fr. Ludwig von Maydell, Komponist Rudolf Tobias, der berühmte Teilnehmer am gesellschaftlichen Leben Hans Habermann, Schauspieler Aare Laanemets, Musiker Rein Samet u.a.

Geheimnisvolle Waldpfade führen zum Moor Marimetsa und man entdeckt altertümliche Dorfstraßen.